Alexandra McClean Egan

Auf die Verbindungen kommt es an

Wir haben den Weltfrauentag zum Anlass genommen, um mit interessanten und starken Frauen in der Kaffeeindustrie zu sprechen. Das Coffee Business ist weltweit nach wie vor stark männerdominiert. Diese Frauen zeigen uns gekonnt: Kaffeegenuss ist Frauensache. Und inspirieren im Interview mit ihren Geschichten von Zusammenhalt und Genuss.

Alexandra McClean Egan ist Kaffeerösterin aus San José, Kalifornien, USA.

Hallo Alexandra, woher kommst Du eigentlich und wo lebst Du aktuell?
Ich komme aus den Vereinigten Staaten. Derzeit lebe ich in San Jose, Kalifornien.

In welchem Bereich der Kaffeeindustrie arbeitest Du?
Ich bin Kaffeerösterin.

Vielleicht magst Du Dich kurz unseren Leserinnen vorstellen.
In der Kaffeebranche bin seit etwas über 6 Jahren unterwegs. Dabei habe ich schon als Barista und Filialleiterin gearbeitet. Aktuell bin ich Grosshandels-Trainerin und Rösterin in einem Café namens Chromatic Coffee in San Jose, Kalifornien, das Spezialitätenkaffee anbietet.

Was hat sich in Deinem Leben verändert, seitdem Du in der Kaffeebranche tätig bist?
Mir ist viel mehr bewusst geworden bin, wie wichtig Beziehungen sind. Egal, ob sie in einer lokalen Community oder in der Kaffee-Community weltweit sind. Die Beziehungen, die ich in den letzten sechs Jahren geknüpft habe, haben mein Leben für immer verändert.

Was würdest Du heute ganz sicher anders machen, wenn Du nochmals starten würdest?
Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas anders machen würde.

Wie ist die Geschlechterverteilung in Deiner Branche? Hat sich daran etwas verändert, seitdem Du angefangen hast, in der Kaffeebranche zu arbeiten?
Das Geschlechterverhältnis von Männern und Frauen in der Kaffeeindustrie ist schon immer ein wenig verzerrt. Vor allem finde ich, dass in der Kaffeebranche im Verhältnis viel mehr Männer eine Führungsposition einnehmen, als Frauen. Ich habe in den sechs Jahren, in denen ich in der Branche tätig bin, keine dramatische Veränderung an diesem Verhältnis beobachten können.

Welchen Tipp kannst Du unseren Leserinnen geben, um in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld erfolgreich zu sein? Welche Deiner Eigenschaften würdest Du als Deinen Schlüssel zum Erfolg bezeichnen?
Wenn Du eine Frau, eine Farbige oder Teil der LGBT-Community bist, ist der beste Tipp, den ich Dir geben kann: Du solltest wissen, dass Du es wert bist.

Ich würde meinen persönlichen Schlüssel zum Erfolg als meine hohe Lernbereitschaft betrachten. Ich lese ständig etwas über Kaffee, schaue mir Videos an oder nehme an Veranstaltungen teil, um zu versuchen, so viel Wissen wie möglich aufzusaugen.

Was könnte Deiner Meinung nach ein erster Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit im Hinblick auf den Kaffeekonsum sein?
Der erste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit von Kaffee auf sämtlichen Ebenen besteht darin, mehr für Kaffee zu bezahlen. Beim Einkauf von Rohkaffee genau wie im lokalen Café. Zahl mehr! Je mehr Geld durch das System fließt, desto größer sind die Ressourcen, auf die alle Menschen in der Kaffeeindustrie zugreifen können. Und das wird zu einer nachhaltigeren Kaffeeindustrie führen.

Was liebst Du am meisten an Kaffee?
Du wirst auf der ganzen Welt Menschen treffen, die schon von vornherein etwas gemeinsam haben: die Liebe zum Kaffee.

Wann und wo hast Du Deinen ersten Kaffee getrunken? War es Liebe auf den ersten Schluck?
Zum ersten Mal wirklich von Kaffee begeistert war ich 2013 an meinem ersten Tag bei Starbucks. Mein Trainer hat mich eine frische Tasse Kaffee aus Kenia probieren lassen. Und der schmeckte nach Grapefruit! Ich hatte keine Ahnung, dass Kaffee so schmecken kann. Es war definitiv Liebe auf den ersten Schluck.

Was macht guten Kaffee für Dich aus?
Großartiger Kaffee hat für mich eine wunderbare Balance von Süße, Säure und Körper.

Welche Kaffeespezialität ist aktuell Dein Favorit? Kannst Du eine besondere Kaffeespezialität empfehlen, die unsere Leserinnen ausprobieren sollten?
Ich bevorzuge meinen Kaffee mit nichts weiter drin. Meine derzeit bevorzugte Brühmethode ist die Kalita Wave 185. Mit drei Löchern am Boden des Drippers und den Rändern an den Seiten fließt das Wasser gleichmäßig durch das Kaffeepulver. So bekommst Du eine Tasse perfekten Kaffee.

Wie wichtig ist Kaffee in Deiner Kultur und in Deiner Familie?
Ich erinnere mich noch, dass meine Eltern jeden Morgen eine Kanne Kaffee gekocht haben. Es war das erste, was ich morgens roch und es ist eine meiner liebsten Erinnerungen. Meine Familie trinkt Kaffee am Morgen, am Nachmittag und nach dem Abendessen, um sich nach einem langen Tag zu entspannen. Kaffee spielt in unserem Leben wirklich eine große Rolle.

Erzähl uns etwas über Dich und Kaffee.
In Seattle traf ich während der SCA Specialty Coffee Expo 2017 eine junge Bäuerin aus Guatemala. Sie erzählte mir von den Schwierigkeiten in der Landwirtschaft, vor allem als junge Bäuerin. Sie kam gerne zu diesen Veranstaltungen, um Ideen von anderen Landwirten zu sammeln und war traurig, dass sie noch keine andere Bäuerin getroffen hatte. Seit diesem Gespräch habe ich ein besseres Verständnis von der Bedeutung von Landwirten für die gesamte Kaffeeindustrie. Und auch die Wertschätzung dafür, wie wertvoll eine heterogene Landwirtschaftsgemeinschaft ist.

Welchen Tipp kannst Du unseren Leserinnen geben, damit sie zuhause noch besseren Kaffee kochen können?
Es gibt vier Schlüsselelemente für die Zubereitung von Kaffee: Wasser, Temperatur, Mahlgrad und Frische. Sorg dafür, dass Dein Wasser gefiltert ist und etwa 92-93°C warm. Der Mahlgrad sollte der Richtige für Deine gewählte Brühmethode sein. Ich kann Dir nur empfehlen, eine Gratmühle zu kaufen, die speziell für das Mahlen von Kaffee entwickelt wurde.

Mahle Deinen Kaffee unmittelbar vor dem Brühen. Und meine letzte kurze Anmerkung: Besorg Dir einen Gooseneck-Wasserkocher, damit Du das Wasser möglichst gleichmäßig über Dein Kaffeepulver gießen kannst.

Wo trinkst Du Deinen Kaffee am liebsten, wenn Du außer Haus bist?
Ich liebe es, Cafés in der Bay Area in Kalifornien (wo ich lebe) auszuprobieren. Einer meiner Lieblingsorte ist ein Laden namens Cat and Cloud Coffee. Der Kaffee dort ist köstlich, die Inneneinrichtung ist perfekt und die Stimmung sehr angenehm.

Was gehört für Dich zu einer guten Tasse Kaffee dazu?
Meine Lieblingsbeschäftigung im Zusammenhang mit Kaffee ist, mich auf die Terrasse einer Blockhütte im Wald zu setzen, gleich als erstes am Morgen. Es ist so frisch und kalt und der Kaffee ist so behaglich warm und lecker. Es ist die perfekte Kombination.

Welchen Weg sollte jemand einschlagen, wenn er/sie ein/e gute/r Kaffeeröster/in werden möchte?
Nimm Kontakt zu Deinen lokalen Röstereien auf! Vielleicht stellt gerade jemand ein oder bietet Kurse an. In der Zwischenzeit kannst Du Bücher lesen, Videos ansehen und mit Leuten über das Rösten sprechen. Eines meiner Lieblingsbücher ist von Scott Rao und heißt „The Coffee Roaster’s Companion“. Es geht wirklich bis ins Detail auf alle Aspekte des Röstens ein.

Wo siehst Du Deine Tätigkeit als Rösterin in 5 bis 10 Jahren?
Ich hoffe, dass ich in dem Unternehmen, für das ich derzeit tätig bin, weiter aufsteigen werde. Ich möchte weiterhin Kaffee rösten, aber auch in den Bereich Rohkaffee-Einkauf einsteigen. In 5-10 Jahren glaube ich, dass ich dieses Ziel erreicht haben werde.

Liebe Alexandra, danke, dass Du Deine wertvollen Erfahrungen mit uns geteilt hast!

Wenn Du mehr von Alexandra McClean Egan erfahren willst, findest Du sie auf Instagram @aje.coffee, twitter @ajecoffee oder auf ihrer Website https://aje.coffee.