Trish Rothgeb

Kunst ist für mich einfach nicht so interessant wie Kaffee

Wir haben den Weltfrauentag zum Anlass genommen, um mit interessanten und starken Frauen in der Kaffeeindustrie zu sprechen. Das coffee business ist weltweit nach wie vor stark männerdominiert. Diese Frauen zeigen uns gekonnt: Kaffeegenuss ist Frauensache. Und inspirieren im Interview mit ihren Geschichten von Zusammenhalt und Genuss.

Trish Rothgeb ist passionierte Kaffeerösterin und langjähriger Vorstand der Specialty Coffee Association of America.

Vielleicht magst Du Dich kurz unseren Leserinnen vorstellen.
Ich bin Mitgründerin und Co-Geschäftsleiterin von Wrecking Ball Coffee Roasters, eine Kaffeerösterei in San Francisco. In der Kaffeebranche arbeite ich seit über 30 Jahren: als Kaffeerösterin, im Rohkaffee-Handel und Lehrerin für alles, was mit Kaffee zu tun hat. Außerdem liebe ich es, in die verschiedensten Kaffeeanbau-Regionen weltweit zu reisen. Dort bringe ich Kaffeeproduzenten und allen, die in der Kaffeeindustrie arbeiten, das “Cupping” näher. Außerdem habe ich den Ausdruck “third wave coffee”geprägt und das Phänomen definiert. Diese sogenannte “Dritte Kaffee-Welle” steht für die Produktion von nachhaltigem und hochwertigem Kaffee.
Was Titel angeht bin ich lizenzierte Q-Graderin und anerkannte Q-Trainerin des Coffee Quality Institute. Dort war ich von 2013 bis 2016 “Director of Programs: Q and Educational Services“ und damit für die Weiterbildung junger Q-GRader zuständig. Darüber hinaus war ich lange Zeit im Vorstand der Specialty Coffee Association of America (SCAA) aktiv, dem größten Kaffeeverband in den USA. Und dann bin auch noch Gründungsmitglied der jährlichen World Barista Championship, die die besten Baristas weltweit auszeichnet und Gründungsmitglied in der Barista Guild of America.

Was hat sich in Deinem Leben verändert, seitdem Du in der Kaffeebranche tätig bist?
Die Qualität von Kaffeespezialitäten ist über die letzten 30 Jahre hinweg kontinuierlich besser geworden. Durch viel harte Arbeit habe ich meine Ziele inzwischen fast alle realisieren können. Aktuell bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich vor allem die prekäre Situation vieler Kaffeeproduzenten verbessern möchte.

Was würdest Du heute ganz sicher anders machen, wenn Du nochmals starten würdest?
Ich hätte Betriebswirtschaft anstelle von Kunst studiert.

Wie ist die Geschlechterverteilung in Deiner Branche? Hat sich daran etwas verändert, seitdem Du angefangen hast, in der Kaffeebranche zu arbeiten?
Die Kaffeebranche funktioniert wie fast jede andere Branche. Sie wird von Männern dominiert. Allerdings sehe ich inzwischen mehr Frauen in leitenden Positionen als zu Anfang meiner Karriere.

Welchen Tipp kannst Du unseren Leserinnen geben, um in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld erfolgreich zu sein? Welche Deiner Eigenschaften würdest Du als Deinen Schlüssel zum Erfolg betrachten?
Was für viele junge Frauen heute funktioniert, hätte für mich am Anfang meiner Laufbahn nicht geklappt. Ich musste viel kämpfen, um meinen Weg zu verfolgen und immer wieder versuchen, das zu tun, was ich liebe. Ich habe mir innerhalb der Firmen nicht immer Freunde gemacht. Aber auf diese Weise konnte ich einen Pfad beschreiten, der mich erzu den entsprechenden Möglichkeiten geführt hat.

Heutzutage denke ich, dass Frauen es in der Kaffeebranche allgemein etwas leichter haben, wobei das von der jeweiligen Unternehmenskultur abhängt. In einigen Unternehmen kann man unschwer erkennen, dass diese Kultur Frauen nicht unterstützen wird. Wenn das der Fall ist, arbeite dort, solange Du etwas lernst und wie alle anderen bezahlt wirst. Sonst verdienen sie Dich nicht.

Was liebst Du am meisten an Kaffee?
Ich bin gerne Kaffeerösterin, weil ich den gesamten Zyklus der Kaffeeproduktion beobachten kann. Ich sehe den Rohkaffee, seine Transformation in etwas ganz Besonderes innerhalb der Welt der Lebensmittel. Außerdem besitze ich ein Café und sehe dort, wie Menschen ihren Kaffee trinken und das Resultat meiner Arbeit genießen. Das ist extrem befriedigend.

Wann und wo hast Du Deinen ersten Kaffee getrunken? War es Liebe auf den ersten Schluck?
Ich kann mich ganz ehrlich nicht mehr genau daran erinnern. Aber ich habe schon als kleines Kind Kaffee und Tee getrunken.

Was macht guten Kaffee für Dich aus?
Süße und Ausgewogenheit.

Welche Kaffeespezialität ist aktuell Dein Favorit? Kannst Du eine besondere Kaffeespezialität empfehlen, die unsere Leserinnen ausprobieren sollten?
Ich kann wirklich nicht vorhersagen, welche Kaffeespezialitäten in den kommenden Jahren besonders groß herauskommen werden. Ich kann darauf zählen, dass Äthiopien, Guatemala und Kolumbien immer gut sein und ihrem Profil treu bleiben werden. Aber beim Spezialitätenkaffee kann jedes Kaffee-Produktionsland etwas wirklich Großartiges hervorbringen.

Wie wichtig ist Kaffee in Deiner Kultur und in Deiner Familie?
Mein Mann ist gleichzeitig mein Geschäftspartner. Für uns ist Kaffee unser Lebensunterhalt genau wie unser Vermächtnis. Als Amerikaner haben wir den Luxus, alle erdenklichen Ausprägungen der Kaffeekultur zu genießen. Und können uns dann entscheiden, wie wichtig etwas davon für uns ist.

Erzähl uns etwas über Dich und Kaffee.
Ich war früher Künstlerin (Malerin) und arbeitete in der Kaffeebranche, um damit über ein Jahrzehnt lang meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Erst dann traf ich die Entscheidung, die Kunstwelt hinter mir zu lassen. Kunst ist für mich einfach nicht so interessant wie Kaffee.

Welchen Tipp kannst Du unseren Leserinnen geben, damit sie zuhause noch besseren Kaffee kochen können?
Kauf ihn frisch geröstet und messe genau ab! Wenn Du kein Rezept hast, an dem Du Dich orientieren kannst, jagst Du einem sich immer bewegenden Ziel hinterher.

Was gehört für Dich zu einer guten Tasse Kaffee dazu?
Ein Buttercroissant.

Welchen Weg sollte jemand einschlagen, wenn er/sie ein guter Cupper werden möchte?
Koste auf der Arbeit jeden Tag Kaffee. Wenn Du ein Cupper bist, musst du deine Fähigkeiten ständig frisch halten.

Wo siehst Du die Tätigkeit eines Barista in 5 bis 10 Jahren?
Immer noch sehr gefragt.

Liebe Trish, danke, dass Du Deine wertvollen Erfahrungen mit uns geteilt hast!

Wenn Du mehr von Trish Rothgeb erfahren willst, folge ihr als @trishrothgeb auf Instagram und twitter.